6 min read

Chaos am Morgen mit Kindern – warum wir jeden Tag Gottes Gnade brauchen

Chaos am Morgen mit Kindern – warum wir jeden Tag Gottes Gnade brauchen

Die Tür fällt ins Schloss. Es ist Montagmorgen. 8 Uhr.
Die Kirchenglocken läuten.

Ich atme tief durch, setze mich gerade aufs Sofa. Dann klopft es wieder. Ich stehe auf, gehe zurück, gebe dem Kleinsten noch einmal einen Kuss und wische ihm ein paar Tränen von den Wangen. Ich spreche ihm ein paar mutmachende Worte zu, male ein Kreuz auf seine Stirn – und dann zieht er los.
Er dreht sich noch ein paar Mal um, bis er um die Ecke ist.

Ich gehe wieder zurück, setze mich erneut auf das Sofa, atme tief durch und schließe die Augen. Bleibe einfach mal kurz still.

Kann sich jemand eine Vorstellung machen, was man schon alles bis 8 Uhr morgens durchleben kann?

Unser Haus ist manchmal ein einziges Bündel an Emotionen. Und die kommen meist nie so geballt auf einen zugerollt wie am frühen Morgen.

Da muss man sich selbst überwinden, das warme, kuschelige Bett zu verlassen, der Dunkelheit draußen trotzen und Licht anmachen. Da gehen schon sämtliche Termine durch den Kopf, die anstehen. Da kommen schwere Gespräche wieder in den Sinn, die am Abend zuvor geführt wurden. Da türmen sich Berge an Arbeit auf, sobald man das Bad betritt und die Wäscheberge sieht. Da ist man noch gar nicht richtig auf den Beinen, und innerlich ist man schon müde, als wäre das Ende der Woche erreicht.

Ich gehe von Kind zu Kind. Die eine hat heute einen freien Tag – Lehrerkonferenz. Der andere klagt schon seit gestern Abend über Bauchschmerzen, konnte wohl die ganze Nacht nicht schlafen. Er war erst letzten Montag auch krank.

Das Mamahirn beginnt zu rattern:
Mhm, ist das jetzt wirklich etwas Ernstes?
Oder sollte ich ihn einfach zwingen aufzustehen?
Liegt es daran, dass er montags nicht gehen will?
Liegt da etwas Tieferes darunter, was ich noch nicht sehe?
Was mache ich jetzt?

Innerhalb weniger Momente muss ich entscheiden, was ich tue:
ermutigen aufzustehen – oder ermutigen liegen zu bleiben.
Es ist sehr schwer. Vor allem bei undefinierbaren Bauchschmerzen...

Kurzes Gespräch mit meinem Mann über die Sorgen, die ich mir mache. Und darüber, dass sich etwas ändern muss.

Dann kommen die beiden anderen dran.
Sie sind am Morgen immer ein Überraschungspaket, das geschnürt ankommt – und ganz unterschiedlich aufspringen kann. Mal fröhlich, munter. Mal kaum wach zu bekommen, missmutig, an allem etwas auszusetzen.

Ich weiß nicht, ob das nur bei uns so ist, aber immer das, was gebraucht wird, ist im Schrank nicht aufzufinden. Und diese Socken. Warum sind immer die richtigen nicht da?
Und die neue Hose – zu groß, zu unbequem. Aber oh Wunder: Der Sohnemann ist bereit, es einmal auszuprobieren.

Ich habe keinen Druck ausgeübt nach dem Motto:
Die ziehst du jetzt aber an – und zwar schnell.

Und schon springen wir über diese Hürde, ohne sie umzuwerfen und weinend auf dem Boden zu liegen.

Die Tochter – na ja, ähnliches Problem. Sie zieht am liebsten ihre Turnleggings mit dem Loch am Knie an. Aber nach etlichen Tagen soll sie auch diese mal auswechseln und ausnahmsweise in eine bequeme Jeans schlüpfen. Das stößt nicht auf Jubel, aber Wunder Nummer zwei: Sie zieht sie an.

Das Frühstück verläuft ohne große Zwischenfälle. Wir kommen heute sogar dazu, eine kurze Andacht mit den Kindern zu lesen und zu beten.

Dann geht es ans Schuhe- und Jackeanziehen. Die schöne neue Jacke ist nun seit einiger Zeit auch zu groß und möchte nur noch offen getragen werden. Mal ist es ein Problem, mal nicht. Man weiß nie genau, welchen Tag man erwischt. Aber wenn das Problem erkannt wird, dann ist es da – wie ein unüberbrückbarer Berg.

In meinem Herz beginnt sich ein Seufzen breit zu machen:
Bitte nicht schon wieder. Darüber haben wir doch schon so oft gesprochen.
Es ist sehr kalt draußen, und die Jacke muss zugemacht werden.

Kurzes inneres Zwiegespräch:
Lasse ich es jetzt einfach durchgehen, oder bin ich konsequent?
Habe ich gerade wirklich Zeit und Lust, in diesen immer wiederkehrenden Diskurs zu treten?
Halten das meine Nerven aus, ohne zu reißen?
Kann ich ruhig bleiben und es ein hundertstes Mal erklären, ohne die Geduld mit einem sich windenden Kind zu verlieren?

Neben dem Jackenproblem kommt dann noch das Nächste:
„Schule ist doof. Ich will da heute nicht hin.“

Sind wir an diesem Punkt angelangt, braucht es sehr viel Fingerspitzengefühl – welches ich manchmal aufbringen kann. Und manchmal, ich bin ganz ehrlich, platzt mein innerer Frust hoch, und ich werde laut und streng.

Das bringt in der Regel kaum etwas.
Nur Tränen, Ärger und Trotz.

Der Junge geht aus dem Haus ohne Kuss, und ich weiß: Sein weiches Herz hält das nicht aus. Nach kurzer Zeit kommt er zurück, umarmt mich, küsst mich – und zieht dann seines Weges. Wir sprechen noch einmal, und los geht es.

So läuft der Morgen Gott sei Dank nicht immer ab.
Aber wohl öfter, als mir lieb ist.

Morgens ist eine delikate und empfindliche Zeit.
Eine ausschlaggebende Zeit dafür, wie der restliche Tag verläuft.

Ich will im Frieden in den Tag gehen. In Ruhe.
Mit Kindern, die folgen und keine Probleme machen da, wo doch gar keine sind – in meinen Augen.

Ich will, dass alles seine Ordnung hat. Dass ich morgens nicht das Pausenbrot vom Vortag im Schulranzen finde.

Ich will, dass sich ohne Motzen angezogen, gegessen und Zähne geputzt wird.

Ich will, dass sie sich rechtzeitig anziehen und mich strahlend anschauen, wenn ich ihre Gesichter in die Hand nehme, ihnen ein kleines Kreuz auf die Stirn male – ein kleines Ritual, das die Kinder daran erinnern soll, dass sie zu Jesus gehören und unter seinem Schutz stehen und befähigt sind, das zu tun, was er möchte – sie segne und küsse und ihnen mit dankbarem Herzen nachschaue, wenn sie sich noch dreimal umdrehen und mir voller Liebe Küsschen zuwerfen.

Solche Tage gibt es tatsächlich auch.

Doch was mache ich, wenn es nicht so läuft?

Was mache ich, wenn ich schon am frühen Morgen in fünf Sündenfallen gelaufen bin und jedes Mal hängen geblieben bin?
Was mache ich, wenn mein Herz schon um 8 Uhr morgens – oder noch früher – auf seinem Tiefststand ist?
Wenn mich die Emotionen der Kinder, vielleicht auch die meines Mannes oder meine eigenen, überfahren haben wie eine Dampfwalze und ich wie betäubt sitze und am liebsten losheulen würde?

Ich weiß nicht, ob du diese Gefühle kennst.
Vielleicht sind wir eine außergewöhnliche Familie – mit so viel Segen beschenkt und mit so vielen Kämpfen gefordert.
Aber ich denke, wir sind wahrscheinlich eine ganz normale Familie mit vier Kindern. Und wahrscheinlich spielt sich Ähnliches – vielleicht noch viel Schwierigeres – in vielen Haushalten in Deutschland zwischen 6 und 8 Uhr morgens ab.

Als ich vorhin so dasaß, wollte ich einfach ruhig sein und Gott hören. Und meinem unruhigen Herzen Zeit geben.

Und es wurde mir so bewusst: Ich kann mich jetzt entscheiden.

Mache ich so unruhig weiter?
Lasse ich mich von Sorgen niederdrücken und von Selbstvorwürfen und Anklagen zerfleischen, was ich schon wieder alles falsch gemacht habe?

Oder richte ich meinen Blick auf Jesus?
Schaue ich auf ihn und seine Vergebung, seine Kraft und seine Hilfe?
Schaue ich auf meine Unfähigkeit – oder auf ihn, dem alles gehört und der mich mit allem ausgestattet hat, was ich brauche, um in solchen Situationen zu bestehen?

Das Ziel ist es nicht, immer alles richtig zu machen. Immer die richtige Entscheidung zu treffen und am Ende zu denken: Wow, das habe ich heute wieder gut hinbekommen. (Genau das denke ich manchmal, wenn alles reibungslos und happy clappy läuft.)

Das Ziel ist es, in allem zu Jesus zu laufen.

Hast du es gut gemacht, bist ruhig geblieben, hast deine Kinder bedingungslos und gelassen auch durch den schlimmsten Trotzanfall begleitet?
Dann lauf zu Jesus und sag: Danke!
Es ist nicht dein Verdienst. Es ist sein Werk durch dich.

Hast du völlig versagt, bist laut geworden, hast den Stimmen in dir Gehör verschafft, die dich antreiben, das Falsche und Lieblose zu tun?
Dann lauf zu Jesus und sag:
Hilf mir. Vergib mir. Ich brauche dich so sehr.

Unser tiefster Punkt des Versagens und der Not wird genauso zu einem Höhepunkt der Anbetung wie unser bestes Verhalten.

Unser Danke, Jesus ist genauso Anbetung wie unser Hilf mir, Jesus.
Vielleicht ist Letzteres sogar noch tiefer und größer.

Lauf zu Jesus – so oder so.

Wenn sich die Tür hinter deinen Kindern schließt oder du sie im Kindergarten abgegeben hast und innerlich durchatmest, wenn du deine Autotür öffnest – dann atme Jesus ein.
Werde kurz still und danke ihm, wenn alles gut ging.
Und danke ihm, wenn du völlig fertig bist.

Danke ihm, dass er deine Hilfe ist, deine Vergebung, dein Neuanfang.

An jedem neuen Morgen brauchen wir einfach nur seine Gnade, seine Hilfe und seine Vergebung.

Psalm 118,24–29 drückt es wunderbar aus und könnte unser Gebet sein – jeden Tag neu:

Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat!
Lasst uns fröhlich sein und uns an ihm freuen!

Ach, HERR, rette doch!
Ach, HERR, gib doch Gelingen!

Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN.
Vom Haus des HERRN aus segnen wir euch.

Der HERR ist Gott, er hat uns Licht gegeben.

Du bist mein Gott, ich will dich preisen!
Mein Gott, ich will dich erheben.

Preist den HERRN, denn er ist gut,
denn seine Gnade währt ewig!

Erhalte exklusive Inhalte in einem E-Mail-Abo.

Trag dich jetzt kostenlos ein.