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der bessere Mose

der bessere Mose

Während mein Leben im Moment sehr intensiv verläuft, begleitet mich Mose in allem.
Zwischen den vielen Gesetzen und Vorschriften, die in den Mosebüchern ausführlich von Gott an sein Volk weitergegeben werden, begegnen uns immer wieder sehr interessante und spannende Geschichten.

Mose war ein sehr demütiger Mensch – wohl der demütigste, der je gelebt hat (4. Mose 12,3). Und das, obwohl er die größte Aufgabe von Gott bekommen hat, die je einem Menschen übertragen wurde: Er sollte ein großes Volk in das verheißene Land führen. Und als wäre das nicht genug, gleicht dieses Volk einem stark pubertierenden Jugendlichen – schwer zu führen, schwer nachzuvollziehen, schwer zufriedenzustellen.

Wenn ich die Geschichte lese, staune ich immer wieder neu – über Mose und über Gott. Über die Art, wie sie miteinander reden. Wie Mose Gott zweimal davon abhält, das Volk zu vernichten. Wie Mose immer wieder für Menschen eintritt, die es eigentlich nicht verdient haben.

Immer wieder kommen Angriffe. Einmal sogar aus der eigenen Familie, von seinen engsten Mitarbeitern, seinen Geschwistern Aaron und Miriam. Das muss wehgetan haben. Ganz zu schweigen vom ständigen, zermürbenden Murren der Israeliten in der Wüste. Mose steht dazwischen. Er ist der Vermittler.

Obwohl er selbst oft am Ende ist mit seiner Kraft und Geduld, obwohl er müde, enttäuscht, voller Frust und Ärger ist, bleibt er der Mittler zwischen Gott und seinem Volk. Das beeindruckt mich zutiefst.

Mose ist ein wunderschönes Bild auf Jesus hin. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. Der große Unterschied jedoch ist: Jesus verliert nie die Geduld und wird nie kraftlos. Er ist nie enttäuscht oder verärgert. Unermüdlich tritt er für dich und mich bei seinem Vater im Himmel ein:

„Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.“
(1. Timotheus 2,5)
„Christus Jesus ist es, der gestorben ist, ja mehr noch, der auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt.“
(Römer 8,34)
„Wenn jemand sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten.“
(1. Johannes 2,1)

Es ist ja nicht so, dass wir so sehr anders sind als das Volk. Wir möchten gerne wie Josua und Kaleb sein – mutig und entschlossen, voller Vertrauen in Gott und seine Wege, voller Zuversicht, dass wir über Mauern springen und Riesen besiegen werden, wenn wir nur Gott auf unserer Seite haben (4. Mose 14,7–9).

Doch wie oft gleiche ich eher dem Volk, das murrt und unzufrieden ist. Das klagt und weint und schreit – immer wieder von vorne. Wie oft habe ich Gottes Wunder gesehen und seine großen Taten bestaunt, und doch ist da dieser Zweifel, dieser Kleinglaube. Dann steigt ein Aufbegehren in mir hoch: Warum jetzt das, Herr?

Wäre dieser Satz auch für mich gerechtfertigt?

„Wie lange will mich dieses Volk verachten, und wie lange wollen sie mir nicht glauben bei all den Zeichen, die ich in ihrer Mitte getan habe?“
(4. Mose 14,11)

Eine kurze, aber spannende Begebenheit offenbart die demütige Sehnsucht des Mose und zeigt den Unterschied zwischen ihm und dem Volk:

Gott entlastet Mose nach dessen Erschöpfung und verteilt seinen Geist auf 70 weitere Männer im Volk. Zwei dieser Männer weissagen im Lager. Josua will sie zum Schweigen bringen, weil er meint, sie gefährdeten die Autorität des Mose. Doch Mose antwortet:

„Eiferst du für mich? Bestünde doch das ganze Volk des HERRN aus Propheten, weil der HERR seinen Geist auf sie gelegt hat!“
(4. Mose 11,29)

Merkt ihr etwas?
Die Sehnsucht des Mose hat sich im Neuen Bund Jesu und in der Ausgießung des Heiligen Geistes über alle Gläubigen erfüllt.

Wir sind ein Königreich von Priestern – so, wie es Gottes Vision von Anfang an war:

„Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“
(2. Mose 19,6)

Und viele Jahre später formuliert es der Apostel Petrus so:

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Eigentum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.“
(1. Petrus 2,9)

Jetzt leben wir in diesem „schon jetzt und noch nicht“. Der Heilige Geist ist ausgegossen in unsere Herzen, und er hilft uns, den Weg schnell zurückzufinden zu unserem Vater – nicht im Murren und in der Anklage zu verharren, sondern im Vertrauen festzuhalten an dem, was uns verheißen ist.

In Jesus Christus – in seiner Menschwerdung, seinem Leiden und Sterben – haben wir den Mittler, der für unsere Schuld bezahlt hat. Die Erde öffnete sich und verschlang ihn – an unserer Stelle. Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden haben.

In seiner Auferstehung hat er ein für alle Mal den besiegt, der uns bis heute vergeblich beim Vater anzuklagen versucht (Offenbarung 12,10).

Der Heilige Geist ist ausgegossen über sein neues Volk, damit wir ihn erkennen und durch unser Leben verherrlichen.

Ich schaue auf Mose – und ich staune.
Ich schaue auf Jesus – und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Was für eine unverdiente Liebe.
Was für eine Gnade.
Was für ein Vorrecht, zu seinem Volk zu gehören.

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