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Ein Aufruf, das Schweigen zu brechen und neu über Sexualität zu sprechen

Ein Aufruf, das Schweigen zu brechen und neu über Sexualität zu sprechen
Photo by Becca Schultz / Unsplash

Da war einst ein wunderbarer Künstler.
Er hatte ein Bild gemalt, so schön, dass man kaum wagte, es lange anzuschauen.
Die Farbauswahl war vollkommen. Kontraste, Licht und Schatten, ineinanderfließende Elemente und klare Strukturen – die ganze Komposition sang ein Loblied auf den Maler und zeugte von seiner außergewöhnlichen Fähigkeit.

Dieses Bild wurde an einem Ort aufgehängt, an dem es alle sehen konnten.
Allen sollte der Mund vor Staunen offen stehen.
Alle sollten sich daran erfreuen – und über dem Gemälde hinweg den preisen, der es geschaffen hatte.

Doch eines Nachts kam ein Dieb.
Im Schutz der Dunkelheit trat er ein, riss das Bild von der Wand, schleuderte es zu Boden. Er beschmutzte es, stampfte darauf herum, entstellte es fast bis zur Unkenntlichkeit – und verschwand.

Wir kamen und sahen es.
Und wir standen bestürzt um das Gemälde herum.
Vielleicht sprachen wir leise noch über seine frühere Schönheit.
Vielleicht erinnerten wir uns kaum noch daran, wie es einmal ausgesehen hatte.
Aber wir taten nichts.

Mein Eindruck ist: Genau hier stehen wir heute.
Wir Christen.
Wir Männer und Frauen.
Wir geliebte Kinder Gottes.
Erlöste Söhne und Töchter.

Wir sehen zu, wie ein wunderschönes Kunstwerk Gottes genommen und zerstört wird. Wie der Feind freie Hand hat – und wie wenig wir ihm entgegensetzen.

Auch ich stand lange einfach nur da.
Sexualität war ein Thema, über das ich nicht sprach.
Vielleicht blitzte hier und da eine einzelne Farbe auf:
„Tu es nicht, bevor du verheiratet bist.“
Oder: „Tu es für deinen Mann.“

Losgelöste Sätze. Bruchstücke.
Zu wenig, um auch nur annähernd die Schönheit dessen zu beschreiben,
was Gott sich gedacht hat, als er uns geschaffen hat –
auf so wundervolle, komplizierte und zugleich verletzliche Weise:
als zutiefst sexuelle Wesen.

Der Feind hat es heute leicht.
Und es scheint ihm Freude zu bereiten, Menschen genau an diesem Punkt zu verletzen und zu zerstören.

Warum ist das so?
Ich glaube zutiefst: Einer der Hauptgründe liegt in unserem Schweigen.

  • Wir schweigen über unsere Fragen – ehrliche, offene Fragen –,
    weil wir niemanden kennen, dem wir sie stellen können.
  • Wir schweigen über Pornosucht, Fantasien, Untreue,
    weil wir gelernt haben, dass all das zu privat sei
    und im Mantel von Scham und Schuld verborgen bleiben müsse.
  • Wir schweigen über die Not in unseren Ehen.
    Darüber, dass Nähe selten oder gar nicht mehr stattfindet
    und wir beginnen zu glauben, das sei normal.
  • Wir schweigen über Missbrauch, den wir als Kinder oder Jugendliche erlebt haben.
    Zeit heilt doch alle Wunden, oder?
  • Wir schweigen über die Sprachlosigkeit, die uns befällt, sobald dieses Thema aufkommt.
    Wir schweigen, weil alle schweigen.
  • Wir schweigen über Verletzungen,
    die unser Eheleben bis heute prägen und erschweren.
  • Wir schweigen über die Kämpfe, die wir als Single austragen, weil wir denken, es ginge nur uns so und da muss ich allein durch.

Wir schweigen.

Und auch bei mir dauerte es lange,
bis Gott plötzlich kam und sagte:
Hör auf zu schweigen. Sprich.
Hilf mit, das Bild wieder sichtbar zu machen,
das ich so wundervoll gemalt habe.
Überlass dieses Feld nicht dem Feind.

Jesus Christus ist gekommen, um uns Leben zu geben –
unserem ganzen Sein.
Und dieses Leben ist untrennbar damit verbunden,
dass wir von Gott als sexuelle Wesen geschaffen wurden.
Und stell dir vor: Das ist gut so!

Ich wünsche mir so sehr, dass du und ich aufwachen.
Aufwachen und aufstehen.
Dass wir dieses Gebiet nicht länger dem Feind überlassen,
sondern mutige Schritte gehen, um es für Gott einzunehmen –
zu unserem eigenen Heil und zu einem Erwachen in der Gemeinde.

Im letzten Jahr habe ich viel gelernt und ich darf weiter lernen.
Ich habe so viele hilfreiche, ehrliche, heilsame Dinge gehört, gelesen und erlebt,
dass ich sie weitergeben möchte. Vor allem habe ich so viel mehr über Gott gelernt!

Ich möchte dich ermutigen, dich auf den Weg zu machen
und das Schweigen zu brechen.
Das Schweigen in dir.
Das Schweigen in deiner Ehe.
Das Schweigen in deinen Freundschaften.
Das Schweigen in deiner Gemeinde.

Wenn du dich in diesen Worten wiedergefunden hast, möchte ich dich einladen, diesen Weg weiterzugehen.

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