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Ruhe in Jesus

Ruhe in Jesus
Photo by Meghan Holmes / Unsplash

Vor einigen Tagen habe ich eine wunderbare, ehrliche E-Mail von einer Frau bekommen, mit der ich schon lange verbunden bin (sie hat uns die schönsten Päckchen nach Albanien geschickt) – die ich aber noch nie persönlich getroffen habe.
Sie schrieb mir so erfrischend ehrlich von ihrem Leben, und in mir kamen viele Erinnerungen hoch. Erinnerungen an eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, die aber doch schon irgendwie in den Hintergrund gerückt ist.

Ich möchte hier einen kleinen Ausschnitt ihrer Nachricht teilen:

Wir haben drei Mädchen im Alter von 2, 4 und 8, und mir kommt momentan jeder einzelne Tag vor wie ein kleiner Überlebenskampf… Ich bin froh, wenn ich das Nötigste an Hausarbeit schaffe und es irgendwie hinkriege, zwischendurch noch mit den Kindern zu spielen oder sie regelmäßig zu baden, Hausaufgaben zu betreuen, eine gesunde Mahlzeit zu kochen, die Zweijährige davon abzuhalten, Bücher zu zerreißen und Wände anzumalen… Dazu kommt viel Gekreische und Gestreite unter den Mädels. Und dann möchte ich ihnen ja auch noch die Tagesandacht lesen, den Bibelvers bis zur nächsten Kinderstunde lernen usw. Dann sollte ich sie eigentlich wegen trockener Haut täglich eincremen usw. Oft bin ich mit diesem „normalen Alltagswahnsinn“ schon so am Limit, dass ich gar nicht weiß, wie da auch noch Beziehungspflege funktionieren kann. Beziehungsweise wie ich diese Beziehungen priorisieren soll: Ist es wichtiger, etwas mit der ungläubigen Nachbarin auszumachen oder mit der jüngeren oder älteren Schwester aus der Gemeinde? Eine andere Mama zu besuchen oder jemanden aus der Verwandtschaft, den man länger nicht gesehen hat? Mit den eigenen Eltern zu telefonieren? Oft würde ich mich am liebsten einfach verkriechen, weil mir alles zu viel ist.

Oh, wie gut kann ich mich in sie hineinversetzen. Diese Zeit mit kleinen Kindern ist eine wundersame Zeit – und gleichzeitig eine sehr harte. Würde ich meine Tagebücher herausholen, dann könnte ich euch einiges erzählen …

Ein paar Zeilen vorher schrieb sie:

Ich muss ehrlich sagen, manchmal erscheint mir deine Art zu leben wie ein sehr hohes Ideal, das ich niemals erreichen werde 🙈 Deine vielen Beziehungen, in denen du lebst und anderen dienst… Du hast selbst vier Kinder mit Schul- und Arztterminen, führst einen Haushalt usw. Und dann schreibst du Artikel, sprichst auf Konferenzen, hast ein AirBnB und oft Gäste bei euch. Du machst Frauenkreise oder besuchst andere. Manchmal wäre ich gerne du und bewundere dich dann (vielleicht zu) sehr.

Ich musste über ihre Worte nachdenken. In mir kam sofort der Gedanke:
Nein. Bitte denke nicht so. Bitte denke nicht, ich hätte alles im Griff. Denke nicht, dass ich alles perfekt mache.

Gestern sprach ich mit einer Frau in ihren frühen Fünfzigern. Sie beschrieb mir ein Leben, das hauptsächlich aus Arbeit und dem Sich-Kümmern um ein großes Haus besteht. Ich spürte ihre Sehnsucht nach mehr. Mehr für Jesus leben. Mehr wirklich „Wichtiges“ bewirken. Aussteigen aus dem Trott. Die leise Frage: Ist das alles? Was möchte Jesus von mir?

Wahrscheinlich birgt jede Lebensphase genau diese Herausforderung:
Wie kann ich hier und jetzt – in den Umständen, in denen ich mich befinde – Jesus dienen?

Ob mit kleinen Kindern, ob verheiratet oder ledig, ob berufstätig oder verrentet …
Wir sind immer wieder eingeladen, in eine enge Verbindung zu Jesus zu treten. Das ist unsere größte und schönste Aufgabe: zu lernen, in Jesus Christus zu ruhen.

Diese Begegnung mit Jesus findet nicht nur im stillen Kämmerchen statt, sondern beim Wäschemachen, Kochen, beim Kinder-in-die-Schule-Verabschieden, beim verzweifelten Blick in den Himmel, wenn wir am Ende unserer Kräfte sind.
Aus dieser Begegnung erwächst ein fruchtbares Leben.

Johannes 15 ist den meisten sicher ein vertrauter Abschnitt der Bibel. Hier spricht Jesus davon, was es bedeutet, fruchtbar zu leben:

Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

Diese Worte verbinde ich immer wieder mit Hudson Taylor, dem großen China-Missionar. Er lebte und arbeitete viele Jahre unter äußerst schweren Bedingungen, bis er eines Tages seinen geistlichen Durchbruch erlebte – und ich bin überzeugt: Genau diesen Durchbruch brauchen wir alle.

In einem Brief an seine Schwester schrieb er:

Als ich an den Weinstock und an die Reben dachte, welch ein Licht goss der Heilige Geist in meine Seele! Wie groß war mein Irrtum gewesen, dass ich den Saft, die Fülle aus Ihm heraus bekommen wollte. Ich erkannte nicht nur, dass Jesus mich nie verlassen will, sondern dass ich ein Glied seines Leibes bin …
Der Weinstock besteht nicht nur aus der Wurzel, sondern als Ganzes aus Wurzel, Stamm, Ästen, Zweigen, Blättern, Blüten und Früchten. Und Jesus ist nicht nur das – er ist auch Boden, Sonnenschein, Luft, Regen und unendlich viel mehr, als wir je erträumt, gewünscht oder nötig gehabt hätten.

Das Schönste ist die Ruhe, die das absolute Einssein mit Christus bringt. Ich sorge mich um nichts mehr, seit mir das klar ist. Denn er ist fähig, seinen Willen auszuführen, und sein Wille ist der meine. Es kommt nicht darauf an, wohin und in welche Umstände er mich sendet. Das überlasse ich seinem Planen. In der leichtesten Lage schenkt er mir seine Gnade, und in der schwierigsten lasse ich mir an seiner Gnade genügen.

(aus „Hudson Taylor. Ein Mann, der Gott vertraute“, S. 198)

Ich finde es bemerkenswert, dass man als Christ über viele Jahre leben und dienen kann, ohne dieses Geheimnis wirklich zu erfassen.
Und vielleicht ist es ein lebenslanger Prozess – ein immer tieferes Erkennen und Verstehen dieser Wahrheit.

Und dann, ja dann, kommt dieses süße Ruhen in Jesus.

Wie wird unser Glaube gestärkt? Nicht indem wir um Glauben ringen, sondern indem wir in Jesus ruhen. (McCarthy)

Ich bete darum, dass diese Wahrheit immer mehr Realität in meinem Leben wird – und in deinem.
Ganz gleich, in welcher Lebensphase du dich befindest. Ob du gerade versuchst zu überleben, körperlich müde und ausgelaugt bist, ob Sorgen wie Pfeile auf dich einprasseln, ob du krank bist oder trauerst. Ob dein Leben sich im Moment überhaupt nicht produktiv anfühlt, du nicht das tun kannst, was du dir ersehnt oder erhofft hast, und dich fragst: Gott, warum hier, warum das, warum? Ob du – wie meine Freundin – im ganz normalen Alltagswahnsinn versinkst, wie auch immer dieser aussieht.

Ruhe in Jesus.
Ruhe in der Abhängigkeit von ihm.
Ruhe in dem Wissen, dass er die Frucht hervorbringt – nicht du.
Ruhe in der Gewissheit, dass ihm kein Umstand deines Lebens verborgen ist.
Ruhe im Vertrauen darauf, dass er allmächtig ist und alles in seine wunderbaren Pläne einwebt.

All das ist nichts, was du produzieren kannst.
Du kannst es nur empfangen –
wenn du dein Herz und deine Hände offen hältst
und in diese wunderschöne Ruhe in Jesus eintrittst.

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