Wenn Gott dein Schreien hört
Hast du dich schon einmal in einer Situation gefunden, in der du dich gefragt hast:
Gott, wo bist du?
Hast du schon Geschichten gehört von Menschen, bei denen du dachtest:
Gott, wie konntest du das nur zulassen?
Schaust du manchmal in die Welt und fragst dich:
Gott, warum stoppst du das nicht?
Ein unterdrücktes Volk – und ein verzweifelter Schrei
In der Bibel lesen wir oft von Menschen, die genau diese Fragen umtrieben.
Zuletzt las ich vom Volk Israel. Sie wurden unterdrückt – aus dem einzigen Grund, dass sie zu viele waren. Der Pharao, ein harter Mann, ließ sich von seiner Angst leiten und versuchte mit allen Mitteln, die Familie Jakobs, Israel, klein zu halten.
Doch was er auch tat – er schaffte es nicht.
Nicht mit harter Arbeit.
(Das verhinderte nicht, dass die Israeliten miteinander schliefen und nur noch mehr Kinder bekamen – sie wussten schon, dass Einswerden ein gutes Mittel ist, um Stress und schwere Situationen zu meistern – nur so am Rande 😉)
Nicht mit dem gnadenlosen Ermorden neugeborener Jungen.
Aber das Volk ächzte. Sie seufzten. Sie zerbrachen an ihrer schweren Last, die sie unschuldig und unvorbereitet getroffen hatte.
Unter welcher Last stehst du?
Unter welcher Last stehst du gerade?
Unter welcher Not leidest du?
Was drückt dich, wenn du früh morgens wach im Bett liegst und nicht mehr einschlafen kannst?
Was raubt dir die Freude?
Was hält dich klein?
Die Israeliten jedenfalls taten eines. Wir wissen nicht, ob sie all die Jahre, in denen sie in Wohlstand in Ägypten lebten, getan hatten, was ihr schweres Leben jetzt aus ihnen „herauspresste“:
Ein verzweifelter Schrei um Hilfe!
„Und die Söhne Israel seufzten wegen ihrer Arbeit und schrien um Hilfe.“
Es steht hier nicht direkt, zu wem sie schrien, aber die Vermutung liegt sehr nahe, dass sie sich an den Gott ihrer Vorväter erinnerten – den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Denn von wo sollte sonst Hilfe kommen?
Kennst du diesen Schrei?
Kennst du diesen Schrei in dir?
Den Schrei der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Den Schrei, wenn plötzlich eine schwere Krankheit in dein Leben oder das Leben eines geliebten Menschen tritt – wie ein ungebetener Gast.
Den Schrei, wenn dein Mann untreu wird.
Den Schrei, wenn Existenznöte hochkommen, weil die Rechnungen zu hoch sind.
Das Seufzen und Schreien in dieser Welt nimmt kein Ende. Und auch dein Leben ist sicher nicht davon verschont geblieben.
Vor Kurzem bekam ich einen verzweifelten Anruf einer Freundin. Ich nahm ab und hörte Schluchzen und Weinen. Sie war viele hundert Kilometer von mir entfernt. Ich konnte ihr nur sagen:
Schrei zu Gott!
Gott hört – Gott sieht – Gott handelt
Wenn die Not am dringendsten ist, lesen wir weiter in 2. Mose:
„Und ihr Geschrei wegen der Arbeit stieg auf zu Gott.
Da hörte Gott ihr Ächzen, und Gott gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob.
Und Gott sah nach den Söhnen Israel, und Gott kümmerte sich um sie.“
Gott hörte ihr Schreien.
Gott gedachte seines Bundes.
Er erinnerte sich an seine Versprechen.
Gott sah nach seinen Kindern – und er nahm sich ihrer an.
Gott ist der Handelnde.
Das jahrelange Schweigen, das jahrelange Elend – jetzt wird es gebrochen!
„Yada“ – erkannt und angenommen
Das Wort „kümmerte sich“ am Ende dieses Verses ist das hebräische Wort „yādaʿ“.
Dieses Wort hat eine tiefe Bedeutung im Alten Testament und kommt fast 950-mal vor. Es wird meist mit „erkennen“ übersetzt.
Es wird gebraucht:
- wenn von sexueller Intimität die Rede ist
- oder um Gottes Erwählung seines Volkes auszudrücken
Es zeigt uns: Gottes Zuwendung ist nicht halbherzig.
Sie ist nicht notgedrungen.
Sie ist nicht widerwillig.
Sie kommt aus der Tiefe seiner Liebe zu uns.
Abba – Nähe im tiefsten Leid
Sehr hilfreich fand ich folgenden Abschnitt aus dem wertvollen Buch Redemption von Mike Wilkerson:
In der Gewissheit der Liebe, Annahme und des Mitgefühls deines Vaters kannst du in deiner Zeit der Not zu ihm laufen, um Gnade und Barmherzigkeit zu empfangen (Hebr. 4,16).
Doch werden wir mit einer solchen Verletzlichkeit zu ihm laufen? Der Grund, warum viele von uns die Hoffnung aufgegeben haben, die Gnade und Barmherzigkeit unseres Vaters zu suchen, liegt darin, dass wir auf einer emotionalen Ebene empfinden, er sei die eigentliche Quelle unseres Schmerzes; es tut einfach zu sehr weh, sich dem Einen zu nähern, der das Böse hätte aufhalten können, es aber nicht getan hat. Also halten wir Abstand. …
Selbst hier weiß Jesus, wie du dich fühlst. Im Garten Gethsemane war er „betrübt bis zum Tod“ (Mt 26,38). Und doch war es gerade in diesem Moment, dass Jesus den Vater im Gebet ansprach – nicht mit kühler Förmlichkeit, sondern mit dem vertrauten Kosewort: „Abba, Vater“ (Mk 14,36).
Abba war ein Wort, das man zu Hause auf den Lippen eines Kindes hörte, das seinen Vater ansprach; doch auf den Lippen eines Anbeters, der Gott im Gebet anredete, war es selten zu hören. Als Jesus den Vater sein Abba nannte, offenbarte er die große Tiefe der Intimität mit Gott, die ein Sohn kennen kann.
Wann wurde eine so tiefe Intimität offenbart? Mitten in Jesu Qual rückte er dem Vater noch näher.
„Gerade die Erfahrungen, die dich am weitesten von Gott wegzutreiben drohen, sind genau die Erfahrungen, die dich in die engstmögliche Gemeinschaft mit deinem Retter führen.“
Als Gottes adoptierte Kinder haben wir dasselbe erstaunliche Vorrecht wie Jesus selbst – Gott Abba zu nennen – und oft brauchen wir das gerade in unserem schlimmsten Leiden am meisten (Röm. 8,15; Gal. 4,6).
Leiden – Nähe oder Distanz?
Vor einigen Wochen sprach ich mit einer lieben Nachbarin. Sie hatte während der Flut ihr geliebtes Haus verloren und lebt seither in einer Wohnung hier in unserer Stadt. Als wir auf Gott zu sprechen kamen, sagte sie mit spürbarer Abwehr:
„Nein, der ist schon lange nicht mehr für uns da. Warum hat er das nur zugelassen! Warum musste und muss ich so leiden?“
Wie ist deine Reaktion auf das Leid in deinem Leben?
Führt es dich näher in diese Abba-Intimität mit Gott?
Oder treibt es dich weg und lässt dich verbittert zurück?
Ich bin der HERR – dein Retter
Das Volk Israel erlebt Gott in seinem Element:
ER IST DER RETTER.
„Darum sage zu den Söhnen Israel:
Ich bin der HERR; ich werde euch herausführen unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg,
euch aus ihrer Arbeit retten und euch erlösen mit ausgestrecktem Arm und durch große Gerichte.
Und ich will euch mir zum Volk annehmen und will euer Gott sein.
Und ihr sollt erkennen, dass ich der HERR, euer Gott, bin,
der euch herausführt unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg.“
(2. Mose 6,6–7)
Immer wieder war das Volk herausgefordert, sich zu erinnern und an Gottes Treue und Güte festzuhalten – auch wenn der Weg durch die Wüste führte.
Eine Erinnerung für heute
Dieser Artikel soll dich erinnern:
Auch wenn du heute seufzt und dich manche Lasten erdrücken –
da ist ein Gott, der deine Schreie hört,
der kommt, dich erkennt und dir zur Hilfe eilt.
Und das Beste:
Währenddessen darf deine vertraute Intimität mit Gott wachsen und zu dem Kostbarsten werden, was du hier auf Erden erleben darfst.
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