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Heimatlos im Herzen?

Wie du in Gott Ruhe findest
Heimatlos im Herzen?
Photo by Iris Vale / Unsplash

Kennst du die Tage, in denen du dich irgendwie heimatlos fühlst?

Du fühlst dich müde und antriebslos. Du wachst schon auf mit unruhigen Gedanken. Du schleppst dich durch den Tag. Du musst vieles managen und willst doch einfach nur ausruhen.

Du stehst in einem Konflikt. Unbedachte Worte, falsche Anklagen. Du machst dir Sorgen über die Zukunft dieser Welt. Du machst dir Gedanken über das Leben deiner Kinder.

Du schaust auf dein Leben und bei all dem Guten, das dich umgibt, toben doch die Wellen um dich und jeder Tag ist ein hilfloser Versuch, dich irgendwie über Wasser zu halten. Irgendwie festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Irgendwie nicht zu verzweifeln – an den schwierigen Umständen, an deinen Beziehungen, an Gott.

Ich kenne solche Tage. Ich kenne diese Tage, die mich einkreisen und auffressen wollen bei lebendigem Leibe. Tage, die toben wie ein Kampf um meine müde Seele.

Und tatsächlich tobt ein Kampf.

Life is war! – Leben ist Krieg. (John Piper)

David – ein Leben zwischen Hoffnung und Angst

Wenn jemand das wusste, dann war es der große König David.

Er war nicht schon immer der große König David. Was er durchmachen musste, bis er mit 30 Jahren der König über ganz Israel wurde, ist unbeschreiblich.

Ich habe ihn in den letzten Wochen begleitet durch meine Bibellese. David – ein sehr lieber Kerl, ein hochbegabter Musiker und ein tapferer Krieger in einem. Er war loyal und treu, er war demütig und selbstlos. Und doch wurde er gerade deshalb von einem bösen und unberechenbaren König verfolgt.

Von Wüste zu Wüste zog er mit einer Schar Männer. Entmutigung und Ermutigung wechselten sich ab wie gestern das Wetter („Mama, warum hat das Wetter solche Stimmungsschwankungen?“) – Regen und dunkle Wolken, Sonne und plötzlich hereinbrechendes Licht.

Gerade hatte er einen Sieg erlebt, indem er Saul wieder einmal seine Loyalität gezeigt hatte und dieser zu ihm sagte:

„Gesegnet sein du, mein Sohn David! Du wirst es sicher ausrichten und zustande bringen.“
(1. Sam 26,25)

Und im nächsten Moment lesen wir von David, wie er in seinem Herzen dachte:

„Nun werde ich doch eines Tages durch die Hand Sauls umkommen. Es gibt nichts Besseres für mich, als eiligst in das Land der Philister zu entrinnen.“
(1. Sam 27,1)

Hier ist ein David, der gerade voll ermutigt wurde, ein heller Lichtstrahl – und kaum versieht er sich, ziehen schon dunkle Wolken auf und lassen schwere Tropfen auf sein müdes Herz fallen.

Er wacht am Morgen auf und sieht keinen Ausweg mehr. Er ist es leid, auf der Flucht zu sein. Er ist ohne Perspektive für seine Zukunft, ohne Hoffnung in der Welt. Der einzige Weg, den er sehen kann, ist der zu seinem Feind.

Er verlässt Israel. Er verlässt die Wüste und geht zu den Erzfeinden Israels, den Philistern.

Dort endlich bekommt er – und seine Familie und seine Männer – das, was sie sich so ersehnten: ein Zuhause. Bleiben und nicht flüchten. Aufbauen und nicht ständig abbrechen.

Dabei wissen wir jetzt, dass David kurz vor seinem Königtum stand.

Nur ein Jahr und vier Monate später stirbt Saul und mit ihm seine drei Söhne im Krieg gegen die Philister. Und David? Er wird zum König über Juda und gute sieben Jahre später König über ganz Israel.


Gott sieht die Heimatlosigkeit

Davids Heimatlosigkeit in seiner Wüstenzeit hat mich schon immer sehr berührt.

In Psalm 56 drückte er es so aus:

Meine Heimatlosigkeit hast du abgemessen.
Gieße meine Tränen in deinen Schlauch!
Stehen sie nicht in deinem Verzeichnis?

Gott hat die ganze Zeit sein Auge auf ihn gerichtet. Dessen war sich David trotz all der Bedrückung und Bedrängung sehr bewusst. Er schreibt in sein Tagebuch:

An dem Tag, da ich mich fürchte – ich, ich vertraue auf dich!
Auf Gott, sein Wort rühme ich –
auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten;
was sollte ein Mensch mir tun?

Wo finden wir Ruhe?

Heimatlosigkeit begleitete David ein Stück weit sein Leben lang. Zwar baute er sich ein Haus in Jerusalem, als er König wurde, aber um ihn herum blieb es unruhig. Er kämpfte viele Kämpfe – gegen Feinde, gegen sein eigenes sündiges Herz und nicht zuletzt in seiner eigenen Familie.

David fand seine wirkliche Ruhe sicher erst, als er seine ewige Heimat betrat. Dann plötzlich sah er den Gott, dem er sein unruhiges Leben lang vertraut hat von Angesicht zu Angesicht. Und vielleicht waren seine bekanntesten Worte auf seinen Lippen:

... und ich werde bleiben im Hause des Herrn - immerdar! (Ps 23)

Wie David möchte auch ich sein. Wie er will auch ich meinen Blick auf den richten, der meine gefühlte Heimatlosigkeit abmisst, mein Umherirren, meine Wege durch die Wüste, meine Zeiten der Entmutigung.

Wie David will auch ich an schweren Tagen proklamieren:

Auf Gott - sein Wort rühme ich - auf den Herrn - sein Wort rühme ich - auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten; was kann ein Mensch mir tun?

David stellt sich auf Gottes Wort! Er rühmt es! Er hält daran fest! Und es macht ihn gleichsam fest!

Wo finde ich Ruhe? Wo findet mein Herz Heimat?

Allein bei diesem Gott!

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