Wir dürfen immer wieder zu Gott schauen und uns an dem wundervollen Design orientieren, das er uns gegeben hat – ein Design, in dem allein wir volle Erfüllung, echte Freude und tiefe Freiheit finden können. Eine unbegrenzte Freiheit.
So endete mein letzter Artikel. Freiheit. Erfüllung. Freude.
Vielleicht bist du noch sehr weit weg von all dem. Vielleicht schaust du auf dich selbst und deine Ehe und denkst: Das klingt alles so schön. Wie eine Freundin sagte: „Du führst uns an so einen wunderschönen Ort.“
Ist es ein Traumort? Ist es überhaupt möglich, in dieser gebrochenen Welt etwas davon zu erleben?
Begegnungen mit der Gebrochenheit
In den letzten Wochen habe ich einige sehr berührende Momente erlebt, die mich ins Nachdenken gebracht und mich gleichzeitig sehr bestärkt haben, auf diesem Gebiet mutig weitere Schritte zu gehen:
Ich saß im Auto auf dem Rewe-Parkplatz und wartete auf meinen Mann, der noch schnell etwas einkaufen musste. Ich wurde ungewollt Zeugin eines „Gesprächs“ zwischen einem Mann und einer Frau, vermutlich verheiratet. Er betitelte sie mit den übelsten Worten. Sie flehte: „Du darfst so nicht mit mir sprechen.“ Er hörte nicht auf. Stieg aus und forderte sie auf höchst unschöne Weise auf, aus dem Auto zu steigen. Dann gingen sie zusammen in den Supermarkt.
Ich saß geschockt im Auto. Immer wenn ich jetzt an diese Situation denke, kommen mir die Tränen. Über diese absolute Gebrochenheit der Beziehung zwischen Mann und Frau. Und ich musste denken: In wie vielen Ehen werden vielleicht nicht solche harten, bösen Worte laut gebraucht – aber in wie vielen Ehen herrscht diese gegenseitige Verachtung? Herabsetzende Worte. Totbringendes Schweigen. Sticheleien, Unterstellungen, Verdächtigungen.
Dann hörte ich von einer lieben Bekannten, dass ihre Ehe nun endgültig zu Ende ist. Sie hat gekämpft und geglaubt. Der Mann zieht nun aus. Die Frau und zwei Kinder bleiben zurück. Zerbrochen, was so hoffnungsvoll und gut begonnen hat. „Hoffentlich findet er bei einer anderen das, was ich ihm nicht geben konnte“, sagte sie. Ich kann dir sicher sagen: Er wird es nicht finden!
Das innere Schweigen brechen
Ich bekomme das Buch einer Künstlerin in die Hand und lerne sie selbst kennen. Eine beeindruckende, strahlende, wunderbare Frau – Ende 50, würde ich schätzen. In grellen rosa Buchstaben steht auf dem Titel „Me Too“. Ich lese das Buch in einem Rutsch durch, staune über die eindrucksvollen Bilder und bin erschrocken über ihren Me-Too-Weg. Erschrocken über all die großen und „kleinen“ sexuellen Übergriffe, die sie erlebt hat. Und ich bin zutiefst berührt davon, wie sie es geschafft hat, nach Jahrzehnten das innere Schweigen zu brechen, sich all den Wunden zu stellen und das trotzige „Dennoch“ ihres Glaubens all dem Gebrochenen entgegenzusetzen!
Ich spreche mit einer Frau, die nach über 40 Jahren Ehe eine Trennung hinter sich hat. Mit Tränen sitzt sie mir gegenüber und erzählt, wie es für ihren Mann nie wirklich darum ging, was sie in der Sexualität schön fände. Er dachte, er wüsste es genau. Und dann diese Überzeugung: „Wenn du dich entziehst, dann begehst du Ehebruch.“ Da ist eine Frau, die nach so vielen Jahren nie in die volle Erfüllung in ihrer Sexualität kam. Wie viele dieser Frauen gibt es wohl? Vielleicht bist du auch eine davon. Vielleicht kennst du eine wie sie.
Der eigentliche Kampf
Wenn ich all das aufschreibe, sitze ich hier mit nassen Augen. Mein Herz ist gebrochen. Und gleichzeitig höre ich in mir den lauter werdenden Ruf, nicht mehr zu schweigen. Ich sauge umso mehr gute Bücher auf, wie das von Dr. Juli Slattery: „Surrendered Sexuality“. Ich lese ihre Worte – evangeliumsgetränkt, tief und real. Ich halte plötzlich inne bei diesem Gedanken:
Wir müssen verstehen, dass unter unseren eigenen persönlichen Lebenswegen mit Sexualität ein sehr realer geistlicher Kampf stattfindet. Dieser Kampf mag sich so anfühlen, als ginge es um Sex. Beim Sex geht es um den Schmerzpunkt, aber was wirklich auf dem Spiel steht, ist viel wichtiger. Satans Ziel ist es nicht, dich von einer wunderbaren Ehe oder sexuellen Erfahrung fernzuhalten. Sein letztendliches Ziel ist es, „Festungen“ aufzubauen, die dich von einer innigen Beziehung zu Jesus fernhalten.
In 2. Korinther 10,4–5 hilft uns Paulus zu sehen, welcher geistliche Kampf unter unseren Schwierigkeiten vor sich geht:
...denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir überspitzte Gedankengebäude und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi.
Juli schreibt weiter (und bitte, lies es aufmerksam!):
Obwohl wir in irdischen Körpern leben und menschliche Gefühle empfinden, geschieht unter den Kämpfen, die wir durchleben, etwas Geistliches. Achte darauf, wie Paulus sagt, dass sich die „Festungen“ (Bollwerke) gegen die Erkenntnis Gottes auflehnen. Wenn Paulus das Wort „Erkenntnis“ verwendet, meint er damit, Gott innig zu kennen, ihm zu vertrauen und ihn zu erfahren. Die Festungen, von denen er spricht, sind Argumente und Denkmuster, die uns von dieser vertrauten Beziehung zu Gott abhalten. (...)
Wie du gelernt hast, sind die Gabe der sexuellen Intimität und die Ehe vorübergehende, irdische Erfahrungen, die uns auf eine größere, ewige Realität hinweisen. Das Ziel christlicher sexueller Ganzheit ist nicht, ein sündenfreies, glückseliges Leben zu führen und tollen Sex zu erleben. Das Ziel christlicher sexueller Ganzheit ist, dass Sexualität nicht länger etwas ist, das uns von Gott fernhält, sondern etwas wird, das Gott offenbart und uns näher zu ihm zieht.
Dein vergangener sexueller Missbrauch ist nicht die Festung. Ebenso wenig ist es der Verrat deines Ehepartners, deine Geschichte sexueller Sünde, dein gleichgeschlechtliches Begehren oder das sexuelle Versagen deines Pastors. Das sind Ereignisse, durch die Satan wahrscheinlich Festungen verankert hat.
Unsere Festungen zeigen sich gewöhnlich in Form von Fragen, die unseren Zweifel an der Macht und Güte Gottes repräsentieren.
Das war für mich so ein Augenöffner! Satans entschiedenes Ziel von Anfang an war es, die Güte und Liebe Gottes uns gegenüber infrage zu stellen, den Samen des Zweifels zu pflanzen. Alles, was er tut, tut er, um dich und mich von der Intimität mit unserem himmlischen Vater zu trennen.
Hoffnung mitten in der Gebrochenheit
Und was für eine Hoffnung liegt in dem, was Gott in uns tut:
Denke daran, dass Satans Ziel nicht darin besteht, dein Sexleben zu zerstören, sondern dich von der Güte Gottes fernzuhalten. Deine Gebrochenheit hinzugeben bedeutet nicht nur, Gott zu bitten, die Probleme in deinem Leben wegzunehmen, sondern ihn mitten darin aufzusuchen. Manchmal erkennen wir nicht, wie wir heilen, weil sich unsere Umstände vielleicht nicht ändern. Stattdessen wirkt Gott im Inneren und verändert uns.
Wenn ich die Gebrochenheit an so vielen Stellen sehe, dann weiß ich eines: In all den Geschichten oben wird Jesus der Sieger sein, wenn all diese schwierigen Situationen dazu führen, dass die Liebe und Güte Gottes spürbar und erlebbar wird.
Lasst uns einander diese Geschichten erzählen! Lasst uns all die Gebrochenheit in unserem Leben und im Leben der Menschen um uns herum Gott hingeben – und lasst uns seine heilende Hand darin spüren.
Wo wurde der Zweifel in deinem Herzen gesät?
An welcher Stelle in deiner Geschichte oder deiner Ehe hat sich der Gedanke eingeschlichen, dass Gott es vielleicht doch nicht gut mit dir meint?
Welche Festung darf fallen? Gibt es Lügen oder Schutzmauern in deinen Gedanken über dich selbst, deine Sexualität oder deinen Partner, die du heute vor Jesus niederlegen möchtest?
Welche Geschichte willst du erzählen? Bist du bereit, deine Wunden nicht mehr zu verstecken, sondern sie Gottes heilender Hand hinzuhalten, damit seine Liebe mitten in deiner Situation sichtbar wird? Bist du bereit, deine Geschichte zu erzählen zu Gottes Ehre - egal, ab du schon das Ende siehst der mitten im Kampf stehst?
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