So hieß die Überschrift eines Kapitels aus einem Buch für junge Mütter. Ich las das Buch schon vor vielen, vielen Jahren in Albanien. Ich war eine junge Mutter, erst mit zwei, dann mit drei und dann mit vier kleinen Kindern unter 6.
Und ich erinnere mich, wie diese Überschrift wie keine andere in meinem Herzen Resonanz fand:
»Wenn die Dunkelheit einbricht.«
Und ich glaube, diese Überschrift und dieses Kapitel sprach mich so an, weil es einfach ehrlich war. Weil es kein Blatt vor den Mund nahm und auch diese Seite von Muttersein ansprach und ernst nahm. Denn:
Ich fühlte mich oft in der Dunkelheit. Die Jahre mit vier kleinen Kindern und dazu noch in einem fremden Land waren für mich sehr herausfordernd. Es fühlte sich manchmal wirklich so an, als ob die Dunkelheit einfach so in mein Herz einbricht. Ich war müde, ich war einsam, ich fühlte mich nicht verstanden. Ich kämpfte mit Zweifeln an mir selbst, an meinem Mann und meinen Kindern. An manchen Tagen fühlte ich die Last des Gefühls, so vieles falsch zu machen. Und da war keine Hand meiner Mutter, die sich auf meine Schulter legte. Keine Umarmung einer guten Freundin, die das Gleiche trug.
Ich spürte an manchen Tagen, wie die Dunkelheit sich in mir breitmachen wollte. Wie alles so schwer wurde. Und ja, manche Tage waren einfach hart. Da gibt es nichts zu beschönigen, keine fromme Antwort, die alles lösen würde.
Manchmal saß ich traurig da, manchmal weinte ich stille Tränen, manchmal war mein Blick leer und hoffnungslos. Ich vergrub mich und ließ der Dunkelheit und der Schwere zu viel Raum.
Diese Momente und Zeiten gab es. When the dark invades...
Und diese Zeiten und Momente gibt es in meinem Leben noch heute. Ich habe damit in diesen Tagen zu kämpfen. Und es ist nicht das große „Ding“, nicht das große Schicksal, das plötzliche schreckliche Ereignis, das das in mir auslöst.
Die vielen kleinen Dinge
Es sind die vielen kleinen Dinge:
- Das Schlucken, immer wenn ich an der Tankstelle vorbeifahre und nicht wahrhaben will, dass die Spritpreise wirklich so hoch sind.
- Es ist der Blick auf das Konto.
- Es ist der Blick in den Kleiderschrank der Kinder – alles zu klein.
- Es ist der Stress am Morgen: Vokabeln vergessen zu lernen – ich bin eine schlechte Mutter, habe ich mein Kind nicht daran erinnert – lasse aber den Frust darüber am Kind aus.
- Der Stress, wenn alle etwas anderes mitnehmen mögen, die Lieblingswurst nicht da ist, plötzlich keine Äpfel mehr gemocht werden, volle Brotdosen im Schulranzen gefunden werden, die Sportsachen weg sind, keine passende lange Hose mehr im Schrank ist, das iPad vergessen wird.
- Es ist der bange Blick auf eine Untersuchung, deren positives Ergebnis eine gravierende Veränderung unseres Familienlebens mit sich bringen würde.
- Es ist die Sorge um den Mann, der immer wieder mit Erschöpfung kämpft und dem ich nicht helfen kann.
- Es ist die Verantwortung, die ich spüre, wenn ich einige Referentendienste vor mir habe, das Gefühl, nicht würdig und fähig zu sein.
- Es ist der Start der neuen Community „Erfüllt und frei“ und die Ungewissheit, wie alles werden wird.
- Es sind so viele kleine Dinge. Die ständige Arbeit im Haus. Der dreckige Boden, den ich gerade gestern geputzt habe.
Und über allem dann oft meine Enttäuschung über mich selbst.
Ich bin schon so lange Christ. Ich habe schon so viel Bibel gelesen. Ich weiß doch alles. Ich ermutige doch andere immer genau in diesem Punkt. Ich strahle und bin positiv.
Wenn das Herz von der Fahrbahn gerät
Doch da ist auch diese andere Seite. Und die ist gefährdet. Sie ist schwach und angreifbar. Sie lässt sich schnell aus der Bahn werfen und sich dann mit aller Wucht um sich selbst drehen, wie ein Auto, das von der Fahrbahn abkommt, weil einfach alles viel zu schnell läuft und dann auf dem Dach landet und sich dreht und dreht.
So ein Morgen war heute. Eins nach dem anderen kam. Ich war unruhig und ungeduldig. Ich ließ meinen inneren Stress (und das schon um 6:30 Uhr) an meinen Kindern aus. Sah nur das, was alles nicht läuft. Bin enttäuscht, bin wütend, bin lieblos entschlossen.
Als alle Kinder aus dem Haus sind, da setze ich mich hin. Und es ist wie eine dunkle Wolke, die über mir steht. Ich suche nach Rechtfertigung und höre Sätze in meinem Ohr: »Ich weiß nicht, wie du das alles schaffst.« – Welche ich immer freundlich überhöre oder nicht ernst nehme, weil: Andere schaffen doch noch viel mehr als ich...
Jetzt denke ich: Ja, wie soll ich das alles schaffen? Vier Kinder sind einfach viel. Ich komme nicht bei jedem hinterher.
Und ich drehe mich weiter. Ich drehe mich und drehe mich.
Der Weg ins Licht
Bis ich den Autoschlüssel nehme und wegfahre. Zu meinem Weg, auf dem ich lange nicht mehr gelaufen bin. Die Sonne scheint erstaunlich warm, alle Gräser haben ein glitzerndes Taukleid an und strahlen um die Wette, vor allem für den, der sich die Mühe macht und in die Hocke geht und ihnen direkt ins Gesicht schaut.
Da fliegen sie hoch. Die frühen Vögel, die fröhlichen und unbekümmerten Vögel. Sie erheben sich in einem Schwarm und heben sich in die Lüfte. Ich schaue hoch und beobachte sie. Die Vögel. Unsere Lehrmeister. Unsere Vorbilder, von Jesus selbst dazu erhoben.
Ich gehe weiter. Ich gehe einfach und die Weite und die Schönheit, sie kann nicht anders, als mein Herz berühren. Da ist Licht. So viel Licht.
Ich darf mir bewusst sein, was alles auf meiner Schulter liegt, was ich selbst trage. Und das ist einiges. Es hat das Potenzial, mir Angst zu machen und die Dunkelheit zu vergrößern.
Was kann ich anderes machen, als es Jesus bringen? Was kann ich Besseres machen, als es Jesus bringen? Aussprechen, was schwer ist. Was mir Angst macht, was mich stresst, was sich unbedingt ändern muss.
Ich bleibe bei einem Fischteich stehen. Die Sonne macht aus den grünen Algen darauf eine strahlend grüne Decke. Darunter bewegen sich Tiere. Einmal springt ein großer Fisch hoch. Ich stehe lange da. Sehe in der Ferne eine schöne Bank in der Sonne. Ich werde langsam ruhig.
Das Dunkel muss weichen, wo ich Jesus Raum und Zeit gebe. Das Dunkel muss weichen, wo ich mich in das Licht Jesu stelle.
»In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.«
— Johannes 1,4–5
When the dark invades... Wohin laufen wir dann? Wo finden wir das Licht? Wo sehen wir das Licht? - Nur in der Gegenwart Jesu, der das Licht selbst ist und in dessen Gegenwart kein Raum mehr sein darf für die Finsternis.
Er lädt uns immer wieder ein, aus dem eigenen Hamsterrad auszusteigen und seine Gegenwart zu suchen. Wir brauchen keine fertigen Antworten, keine schnellen Lösungen und Erlösungen.
Wir brauchen Sein Licht! Wir brauchen Ihn! Wir brauchen seine Gegenwart.
Sie ist immer da, ja, aber so oft sind wir uns dessen nicht bewusst. Aber dort, in seinem Licht, dürfen wir aufatmen und ganz neu erleben, dass die Dunkelheit nicht das letzte Wort über unserem Alltag hat. Jesus ist der Sieger!!

💡 Zum Nachdenken für dich
- Welches der vielen kleinen Dinge im Alltag zieht dich derzeit am schnellsten runter und schafft Unruhe in dir?
- Wohin läufst du unbewusst zuerst, wenn du merkst, dass die Dunkelheit einbricht?
- Wo kannst du dir heute ganz bewusst einen kleinen Raum schaffen, um dich einfach ins Licht Jesu zu stellen und deine Last abzuladen?
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