Die Tür ging auf, und da standen sie.
Zwei freundlich lächelnde Chinesinnen mit ihren viel zu schweren Koffern. Mit Mühe verfrachtete mein hilfsbereiter Mann das Gepäck ganz nach oben zu unserem Gästezimmer.
Was sie denn hier in unserer Stadt machten, fragte mein Mann neugierig. Eine Tour durch Europa: Paris, Amsterdam, Prag – na ja, und auch Mechernich, um eine kleine, unter Experten sehr bekannte Kapelle zu besuchen – mitten auf einem Feld, am Rande eines kleinen Dorfes.
Sie kommen aus der Nähe von Shanghai. Was sie hier in Europa lieben? Die Stille. Die wenigen Menschen. Die klare Luft.
Später kommt eine der beiden mit gutem Englisch zu mir und fragt, ob sie Wäsche waschen könnte. Klar, sage ich, und innerlich atme ich auf, dass ich gerade letzte Woche endlich mal Zeit gefunden hatte, den chaotischen Keller etwas auf Vordermann zu bringen.
Später erzählt mir Li, dass sie sofort gemerkt hat, dass ich zu Jesus gehöre. Was für ein wunderschönes Kompliment. Geschwister erkennen sich - herrlich!
Am frühen Freitagmorgen gehe ich ganz nach oben, um Wäsche in den Zimmern einzusammeln. Da sitzt Li schon vor ihrer Tür und liest. Was liest sie wohl so früh, denke ich mir. Später, als die beiden bei herrlich warmer Herbstsonne mit geliehenen Fahrrädern zur Kapelle gefahren sind, sehe ich das Buch auf dem kleinen Tisch liegen. Nicht die Bibel, sondern die „Pilgerreise“ von John Bunyan – eine Geschichte über den Weg eines Menschen mit Gott hin zur ewigen Heimat. (Übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch - auch für Kinder!)
Mein Herz atmet auf. Ich freue mich über einen Gast, der sich mit Gott und der Ewigkeit beschäftigt. Ob sie wohl, wie ich, gläubig ist?
Am Nachmittag sind die zwei wieder zu Hause. Ich habe wider Erwarten ein paar freie Stunden, möchte meinen Kaffee nicht allein trinken und überlege, wen ich dazu spontan einladen könnte. Ich sehe Li auf dem Balkon mit dem Buch. Es kostet mich ein wenig Überwindung, sie zu fragen: „Darf ich euch zu Kaffee und Kuchen einladen? Setzt ihr euch mit mir in die Sonne?“ - Was, wenn sie nicht möchte. Was wenn sie eigentlich keine Zeit hat und nur aus Höflichkeit ja sagt.
Ich schiebe die Bedenken beiseite und frage mutig. Und siehe da:
Sie freut sich sehr und ruft ihre Freundin Meg. Ich koche Tee und Kaffee, setze dem Zwetschgenkuchen von gestern noch ein Sahnehäubchen auf, und so sitzen wir zusammen.
Drei Frauen aus total unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen Sprachen. Heute sitzen wir hier zusammen in der freundlichen Herbstsonne und genießen diese Zeit des Einfach-Mensch-Seins – Zeit haben, sich unterhalten, genießen, langsam leben. Einander sehen und zuhören.
So erfahre ich, dass Li tatsächlich erst dieses Jahr getauft wurde. Sie erzählt mir und ihrer noch buddhistischen Freundin, wie Jesus sie gefunden hat, wie er nicht lockergelassen hat, wie sie die Bibel gelesen hat und wie die Wahrheit und das Leben in Jesus sie einfach überwältigt haben – in so wunderschönem Sinne.
Wir sprechen über Jesus. Wir freuen uns so, dass wir Schwestern sind. Ein unsichtbares, festes Band verbindet uns merklich.
Meg hört zu. Sie erzählt von sich, ihrer Tochter, die in London studiert, und davon, dass sie in China einen Blog für 60.000 Frauen schreibt. Wie schön, wir machen das Gleiche (okay, mein Publikum ist noch etwas kleiner ;) – wir wollen beide Frauen stärken, ermutigen und herausfordern, ihr Leben zu leben. Ich natürlich noch mit einem anderen Fokus. Aber auch über den kann ich ihr so einfach erzählen, als würde ich mit ihr durch ein wunderschönes Buch blättern.
Am Ende sagt sie: „Ich möchte einen Artikel über euch schreiben. Ich möchte über eure Gastfreundschaft und Liebe schreiben. Schickst du mir noch Bilder von euch und eurem Haus?“
Wir machen noch ein Foto in der warmen Spätnachmittagssonne. Wir sind geblendet von dem Licht, geblendet, aber auch von der Schönheit und der Wärme einer spontanen Begegnung an einem Freitagnachmittag, unspektakulär und doch so wunderschön.

Vielleicht hat Gott die beiden lieben Frauen von so weit her nach Mechernich geführt, so denke ich später – nicht nur, damit sie ihm in einer faszinierenden kleinen Kapelle mitten auf einem Feld begegnen, sondern auch hier, an unserem Tisch, bei Kaffee und Kuchen mit Sahnehäubchen.
Vielleicht darf diese Begegnung für Meg ein Wegweiser in Richtung Jesus sein. Vielleicht gebraucht Gott sie für die Ewigkeit.
Allein der Gedanke daran ist für mich wie ein Schatz. Eine Freude, die immer wieder in mir aufsteigt, wenn ich an die beiden denke – so wie die bunten Blätter, die jetzt im Wind tanzen, oder die Sonne, die mich anlacht und mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Am Abend verabschiede ich mich von den beiden. Meg schenkt mir schöne Perlenstecker. Sie würden sich so freuen, wenn wir sie in ihrer Heimat besuchen kommen. Sie schreiben ihre Adressen und E-Mail-Adressen auf. Wir nehmen uns mehr als einmal in den Arm.
Ja, wie ist es möglich, dass innerhalb so kurzer Zeit solch eine innige Freundschaft wachsen kann? Und dass man das Gefühl hat, sagen zu wollen: Bleibt doch noch.
Ich glaube, der Pilger aus dem Buch würde sich sehr freuen. Er würde sich freuen, dass sein Buch der Anfang einer Begegnung war. Er würde springen, wenn er sehen würde, wie eine Frau, die nichts anderes als den Buddhismus kennt, sich auf den Pilgerweg machen würde hin zur ewigen Stadt.
Am nächsten Tag erreicht mich eine E-Mail von Meg. Ihre Worte bewegen mein Herz:
Liebe Rahel, lieber Danny,
nachdem wir gestern euer Zuhause verlassen hatten, mussten Li Lin und ich unzählige Zugverspätungen und Zugausfälle erleben. Erst um Mitternacht sind wir schließlich in Prag angekommen. Wir waren beide völlig erschöpft.
Wir vermissen die warmen und gemütlichen zwei Tage bei euch schon jetzt sehr. Euer kleines Dachgeschoss-Gästezimmer hat uns unglaublich gut gefallen.
Wir sind euch von Herzen dankbar für eure herzliche und großzügige Gastfreundschaft. Eure liebevolle und glückliche Familie hat uns tief berührt.
Es war für uns ein großes Geschenk und ein besonderes Privileg, zwei Tage bei euch verbringen zu dürfen. Wir hoffen, dass wir euch bald einmal in Hangzhou wiedersehen werden. China bietet deutschen Besuchern inzwischen die Möglichkeit, für 114 Stunden visumfrei einzureisen, was sehr praktisch ist. Ihr seid jederzeit herzlich eingeladen, uns in China zu besuchen!
Noch einmal möchten wir euch von ganzem Herzen Danke sagen!
Wir wünschen euch und eurer ganzen Familie viel Glück, Freude und alles Liebe!
Eure Freunde
Meg & Li Lin ❤️
Wo will Gott auch dich und dein Leben gebrauchen?
Wo will er dir in seiner Freundlichkeit begegnen durch die Begegnung mit anderen Menschen, die du vielleicht noch gar nicht kanntest?
Wie darfst du dich spontan ausstrecken nach Leben und Gemeinschaft mitten im Trubel?
Wie will SEIN Licht in dein Leben kommen, so wie wenn plötzlich die Sonnenstrahlen durch den dichten Wald brechen?






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