Dieser Artikel stammt von meiner Freundin Pia Isaak. Ich freue mich sehr über ihre faszinierenden Gedanken zum Thema Geburt und Schmerzen und wie Gott sich ihr selbst dadurch offenbart hat. Lest selbst!
Es ist mir eine Ehre, sie hier auf dem Blog willkommen heißen zu dürfen!
Meine erste Geburt war für mich ein grenzüberschreitendes und traumatisches Erlebnis. Nach einer heftigen und gewaltvollen Geburt, bei der ich mir nur noch wünschte zu sterben, blieb ich tief verletzt zurück. Äußerlich mit einem Steißbeinbruch, einer Beckenbodenprellung und einem kaum noch vorhandenen Damm. Innerlich mit dem Gefühl, bodenlos versagt und jegliche Kontrolle verloren zu haben.
Heute sage ich trotzdem: Geburt ist eine der wundervollsten Erfahrungen, in denen Frauen Gottes Liebe, die alles überwindet, erleben und veranschaulichen dürfen.
Wie um alles in der Welt passt das zusammen?
Warum tut Geburt so weh?
Nach meiner ersten Geburt begann für mich ein langer Heilungsprozess. Zunächst kümmerte ich mich hauptsächlich um die äußerlichen Baustellen. Dabei quälten mich viele Zweifel und Fragen: Warum hatte Gott das zugelassen? Warum ausgerechnet bei mir? Oder war ich vielleicht selbst schuld daran? Gott gab mir zunächst keine konkreten Antworten, aber seine zärtliche Nähe ließ mich Stück für Stück tiefer begreifen, dass er einen wunderbaren Plan mit mir verfolgt und mich unendlich liebt.
Als ich dann mit meinem zweiten Kind schwanger wurde, war mir klar: Spätestens jetzt muss die innere Arbeit passieren. Ich setzte mich mit den körperlichen und psychischen Aspekten meiner Geburt auseinander und fing an, sie als Trauma anzuerkennen und aufzuarbeiten.
Aber in all dem ließ mich eine Frage nicht los: Warum tut Geburt so weh?
Hast du dir diese Frage schonmal gestellt?
Vielleicht gehörst du auch zu dem kleinen Teil glücklicher Frauen, die das Gebären als beinahe schmerzlos empfunden haben. Aber die meisten von uns - ob du Kinder hast oder nicht - assoziieren Geburt mit Schwierigkeiten und Schmerzen. Aber - warum ist das eigentlich so?
Wehenschmerz lässt sich physiologisch leicht erklären. Durch das Verständnis des Angst-Spannung-Schmerz-Kreislaufs wird auch aus psychologischer Sicht einiges klar. Die Betrachtung von ungünstigen Verkettungen im Krankenhaussetting tut ihr Übriges.
Aber - ich meine ein viel tiefer gehendes Warum. Warum gibt es überhaupt Schmerz? Warum gehört Leid zu unserem Leben – gerade an einem eigentlich so schönen Ort wie Geburt?
57 Mal – kein Zufall
Auf meiner Suche nach Antworten stieß ich auf ein großartiges Teamprojekt der populären christlichen Autorin Gloria Furman mit dem Theologen Jesse Scheumann. Auf der Grundlage seiner Thesis über Geburtsschmerz in der Bibel hat Furman ein tolles Andachtsbuch geschrieben für alle, die irgendwie mit Geburt zu tun haben.
Es ist erstaunlich und berührt mich zutiefst, wie viel die Bibel über Geburt und alles, was damit zusammenhängt, zu sagen hat. Nein, die Verfasser der Bibel versuchen nicht, die Erfahrung einer Frau in den Wehen zu beschreiben und geben keine Praxistipps zum Wehen veratmen. Schade, könnte man sagen, und seine Hoffnung auf wirksame Schmerzmittel setzen oder sich enttäuscht den säkularen Hypnobirthing Methoden zuwenden. Versteht mich nicht falsch – Schmerzmittel und Kaiserschnitt sind kostbare Hilfsmittel und ich halte viel von Methoden wie Kristin Grafs „Friedliche Geburt“. Sie laden uns ein, über die physiologische und mentale Kraft unseres Körpers und seine genialen Funktionen zu staunen, sie zu nutzen und uns konstruktiv mit Ängsten auseinanderzusetzen. Aber ich denke, dass wir dabei eine entscheidende Kraftquelle ungenutzt lassen - dazu später mehr.
Aber eigentlich wird die Bibel doch hier erst interessant. Wenn sie keine Antworten auf meine konkreten Fragen zur Geburt liefert und dennoch an 57 Stellen explizit über Geburtsschmerz spricht (hinzu kommen etliche implizite Stellen) - welche Frage will sie dann damit beantworten?
Was ist Gott an der Sache „Geburt“ so wichtig?
Die Bibel verwendet Geburt, Wehen, Geburtsschmerz fast ausschließlich im metaphorischen Sinn. Wir denken oft, dass die Bibel Bilder aus unserem Alltag – wie Geburt – benutzt, um etwas über Gott zu erklären. Aber eigentlich ist es ja umgekehrt: Gott hat diese Welt so geschaffen, dass sie auf ihn hinweist. So wie ein Gleichnis. Geburt ist also nicht zufällig so, wie sie ist – sie erzählt uns etwas über Gott!
Ich lade euch ein, mit mir tiefer zu graben – da liegt etwas Kostbares.
Der schwere Schatten
Am Anfang gab es keinen Geburtsschmerz. Und keine Angst. Keine Verletzungen. Auch kein verkorkstes medizinisches System. Es gab nur eine Frau, einen Mann und Gottes Auftrag zur Vermehrung. Und das alles war sehr gut.
Doch dann beschreibt die Bibel einen Bruch: Der Mensch entscheidet sich, Gott nicht mehr zu vertrauen, sondern sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Seitdem ist etwas zerbrochen – in unserer Beziehung zu Gott, aber auch in der Welt selbst. Schmerz, Angst und Kontrollverlust gehören seitdem zu unserer Realität – auch rund um Schwangerschaft und Geburt (1.Mose 3,16).
Der wunderbare Auftrag zur Vermehrung wurde von einer Schwere überschattet. Die Entstehung von neuem Leben verlor ihre Vollkommenheit. Wir sehen noch einen Abglanz des Zaubers: Das Wunder, wenn durch die liebevolle Intimität von zwei Menschen ein neuer Mensch entsteht, ähnlich und doch vollkommen einzigartig. Der schnelle Herzschlag dieses Mini-Menschen im Ultraschall, der unser Herz höher schlagen lässt. Der kleine Fuß, der von innen Dellen in unseren Bauch drückt. Dann die unvorstellbaren Kräfte von Mutter und Kind vereint, die ihm den Weg nach draußen bahnen. Und schließlich die Tränen des Glücks, wenn das kleine Wesen plötzlich kein Fremder mehr ist, sondern auf unserem Bauch liegt und fest nach unserem Finger greift.
Aber seit der Entscheidung gegen Gott da ist auch dieser dunkle Schatten. Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt sind von nun an überschattet von Angst, Misstrauen, Kontrollverlust, Verletzung. Wir merken die Auswirkungen davon nicht nur unter den Wehen. Nein, beginnend mit dem ersten Periodenschmerz erleben Frauen weltweit und in allen Zeiten hormonelle Schwankungen, Unfruchtbarkeit, Fehl- und stille Geburten, ungeplante Schwangerschaften, Schwangerschaftskomplikationen, Angst vor Geburt, Geburtsverletzungen, Gewalt unter der Geburt, Stillprobleme, Wochenbettdepression, … Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Irgendetwas läuft ganz offenbar falsch. Es ist nicht, wie es sein sollte.
Im Alten Testament beschreibt die Geburtsschmerz-Metapher vor allem die tiefe Zerrissenheit zwischen Gott und den Menschen - Die Folge davon, dass sie sich willentlich von ihm abgewandt und die vertraute, liebevolle Beziehung mit ihrem Schöpfer verlassen haben. All diese Erfahrungen sind also eine Erinnerung an uns, dass wir Hilfe brauchen und in einer kaputten Welt leben. Das Erleben oder Miterleben von Geburtswehen drängt uns dazu, nach Erlösung zu rufen. Nicht umsonst rufen Menschen, die sich im Alltag nicht als gläubig verstehen würden, im Kreißsaal nach Hilfe von einer höheren Macht.
Gott selbst trägt die Wehen
Doch dann ist da noch eine andere Ebene, die ebenfalls von Beginn der Bibel an mitschwingt. Eva bekommt das Versprechen, dass einmal einer ihrer Nachkommen das Böse besiegen und Gottes wunderbare Ordnung wiederherstellen wird. Seitdem warteten alle israelitischen Frauen auf diesen Nachkommen. Und bei jeder Geburt könnten sie sich gefragt haben: Ist das vielleicht er, der Messias, der hier gerade den Geburtskanal durchquert?
Aber mehr noch - durch das Alte Testament hindurch finden sich immer wieder Hinweise, dass Gott selbst diesen „Geburtsschmerz“ auf sich nehmen würde, um uns neues Leben zu schenken (5. Mose 32,18; Jes 42,14 [vgl. Jes 52,13– 53,12]).
Der Apostel Petrus beschreibt den Tod Jesu als den härtesten Geburtsschmerz überhaupt – doch Jesus hat ihn überwunden. Der Tod konnte ihn nicht behalten. Er wurde wieder auferweckt (Apg 2,23–24).
Unsere Sünde ruft Gottes Gericht hervor, doch Jesus nahm das Gericht auf sich, damit wir neu geboren werden können - als Söhne und Töchter Gottes. Gott selbst trägt dabei die Wehen. Er ist der Gebärende!
„Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren“ (1.Joh 5,1)
Es klingt skurril, ist aber das Kostbarste, was ich als Gebärende wissen kann. Eine Frau in den Wehen ist ein Bild für das Evangelium. Was für ein Vorrecht!
Wir warten noch
Jesus hat den ultimativen Fluch für uns getragen und uns erlöst - und doch leiden wir immer noch unter den Folgen des Fluchs hier auf dieser Welt. Wir warten auf die endgültige Erlösung, wenn Jesus wiederkommt. Jesus selbst verwendet die Gebärende als Veranschaulichung für die Sehnsucht der Jünger, ihn wiederzusehen, wenn er im Himmel und nicht mehr sichtbar bei ihnen ist (Joh 16,21). Paulus sagt, dass die werdende Mutter ein Bild für die Schöpfung und für alle Gläubigen ist, die auf die volle Erlösung warten (Röm 8,18–23). Eine Frau, die endlich ihr Kind in den Armen hält, erlebt einen Vorgeschmack auf die Erfüllung unserer Sehnsucht, wenn er wiederkommen wird.
Aber wir müssen gar nicht warten, bis die Geburt vorbei ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ein Babylächeln heilt kein Trauma und keinen Steißbeinbruch. Die Floskel „Hauptsache gesund“ erweist sich hier einmal mehr als hohl…
Es geht um etwas viel Größeres, Tieferes: Gott selbst begegnet uns mitten im Schmerz. Nicht erst nach dem Schmerz. Nicht nur trotz des Schmerzes. Sondern darin. Er war dort, wo ich gerade bin. Er hat sogar den Tod erduldet, um mir ewiges Leben zu schenken. Und er kommt wieder, um mich von allem Schmerz und aller Angst zu erlösen. Für immer. Für mich ist das die tröstlichste Hoffnung überhaupt.
Und übrigens: Gott ist nicht nur der Gebärende, sondern er wurde auch geboren. Ja, Jesus war ein Embryo! Er hat sich durch den Geburtskanal einer menschlichen Frau gearbeitet. Er war dort, wo mein Baby war. Ist das nicht unglaublich?
Eingeatmet, ausgeatmet, aufgeatmet
Ich weiß nicht, was diese Wahrheiten mit dir machen. Überraschen sie dich?
Für mich waren sie unendlich kostbarer, heilsamer und tragfähiger als alles, was ich an praktischer Hilfe zur Geburtsvorbereitung und zur Verarbeitung einer Geburtserfahrung gelesen, gehört und praktiziert habe. Ich habe sie inhaliert. Ich habe sie buchstäblich eingeatmet, während meiner Atemübungen. Ich habe mir Bibelverse für die Geburt vorbereitet, die mich getragen haben. Und ich war vor, während und nach der Geburt immer wieder zu Tränen gerührt von der unfassbaren Liebe, die Gott uns in Jesus erwiesen hat - und davon, dass ich ein lebendiges Abbild dessen werden darf.
Nach meiner ersten Traumageburt war meine zweite Geburt eine Traumgeburt. Sie war nicht kurz, schmerzfrei oder leicht (beide Kinder kamen als Sternengucker). Aber sie war wunderschön, erfüllt von tiefem Frieden und gottgewirkter Kraft. Sie war eine meiner intensivsten Erfahrungen der Verbundenheit mit Gott.
Ich hatte keine Angst, sondern eine tiefe Zuversicht, die nur Gott bewirken kann. Mit Unterstützung von meinem Mann konnte ich die ganze Zeit ruhig atmen. In der intensivsten Phase habe ich laut gebetet und mich auf Gottes Hilfe und Stärke fokussiert, statt auf meine eigene Schwäche, Erschöpfung und Überforderung.
Das Gefühl dabei, am Ende mein Kind aus dem Wasser zu fischen und an mich zu drücken, war eine der größten Freuden meines Lebens. Auch im Wochenbett dachte ich immer wieder unter Tränen des Glücks: So muss Gott sich fühlen, wenn er mich anschaut, nur tausendmal stärker.
💡 Fragen an dich:
- Gibt es eine Erfahrung rund um Schwangerschaft, Geburt oder deinen Körper, die du noch nicht wirklich verarbeitet hast?
- Was verändert es für dich, wenn Geburtsschmerz nicht sinnlos ist, sondern auf etwas Größeres hinweist?
- Hast du Gott schon einmal mitten im Schmerz erlebt – nicht erst danach?
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