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Leg dein Handy weg – und fang an zu leben

Leg dein Handy weg – und fang an zu leben
Photo by Creative Christians / Unsplash

Vor zwei Tagen bin ich mit meinen Kindern an einen wunderschönen Ort gefahren.
Im Wald, an einem kleinen Bach, mit Bäumen zum Klettern, alles saftig grün und herrlich abenteuerlich.

Ich machte Fotos hier und da. Von den Kindern und von dem Blick in die Bäume von unten, von dem kleinen Blatt, das aussah wie ein Herz. Und gleich kam in mir das Wort, das ich unter dieses Bild in meinem Status schreiben würde: Waldliebe.

Und plötzlich fiel mir etwas auf: Ganz unbemerkt hatten sich ganz viele Menschen in unser Idyll geschlichen. Ich war nicht mehr allein mit den Kindern. Mein Herz war nicht mehr ungeteilt bei ihnen. Ich machte mir Gedanken, ganz automatisch, wie ich diesen schönen Platz und diese tolle Zeit mit anderen Menschen teilen kann.

Ich bin sehr selten auf Instagram, aber mein Status über WhatsApp reicht schon aus. Ich sehe mein Leben durch die Linse anderer, und in mir kam die Frage hoch: Warum möchte ich diese Bilder posten? Warum muss die „ganze Welt“ wissen, was ich Schönes mache? Warum kann ich nicht vollkommen hier sein?

Ich entschied mich bewusst, keines der Bilder zu posten. Nichts darüber zu schreiben. Sondern einfach den Moment zu genießen, mich frei zu machen von dem Drang, etwas mit der Welt zu teilen, was mir dann vielleicht das Gefühl gibt von: Ich mache es richtig.
Schaut mal, wie schön es bei mir ist.
Schaut mal, wie harmonisch die Kinder miteinander spielen.
Schaut mal, mein tolles Leben.


Die leise Abhängigkeit

In einem sehr guten Artikel las ich vor kurzem, wie Glenna Marshall, Autorin und Influencerin, die „Lüge“ in ihrer rechten Hand aufgab – sie löschte ihre Social-Media-Accounts.

Es beeindruckte mich, was sie schrieb, und es resonierte tief in meinem Herzen:

Am Anfang gab es so ein nervöses, unruhiges Gefühl. Soziale Medien sind darauf ausgelegt, dich immer wieder zurückzuholen. Dahinter steckt tatsächlich ein neurologisches Problem. Ich griff nach meinem Handy und öffnete es, ohne zu wissen warum. Es war ein Reflex. Aber es wurde leichter, es einfach liegen zu lassen. Nach einer Woche hatte sich meine Bildschirmzeit mehr als halbiert. Ich hatte geplant, Inhalte über eine Drittanbieter-App zu posten, aber selbst das habe ich nicht getan. Ich mochte es, damit allein zu sein. Ich mochte es, mein Leben und meine Gedanken zu verarbeiten, ohne dass Tausende von Followern durch einen Bildschirm auf mich schauen. Ich schrieb lieber in mein Tagebuch, statt einen neuen Gedanken oder eine biblische Erkenntnis sofort in einen Beitrag zu verwandeln. Ich mochte es, bei dem zu bleiben, was ich lernte. Und als meine Konzentration sich langsam erholte, zog ich Lesen dem Scrollen vor.
Ich musste mich zuerst ein wenig mit Langeweile auseinandersetzen – was machen wir eigentlich, wenn wir in der Schlange warten? Oder im Wartezimmer beim Arzt sitzen? Nun, wir sitzen einfach da, denken nach und spüren die Langeweile. Sie wird dich nicht umbringen. Ich begann, einfach still mit meinen Gedanken zu sitzen, und es war angenehmer, als ich gedacht hatte. Dutzende von Schreibideen tauchten an die Oberfläche meines Denkens, jetzt, wo sie nicht mehr von all den Eindrücken durch Bildschirme unterdrückt wurden. Ich merkte, dass ich es gar nicht so sehr vermisste, zu wissen, was im Leben anderer Leute passiert, wie ich gedacht hatte. Wenn etwas wirklich Wichtiges passiert, weiß ich, dass mein Mann oder Freunde oder meine Mutter oder meine Schwester es mir sagen werden. Ich muss nicht alles wissen, was in der Welt passiert. Dafür bin ich nicht geschaffen.

Ein leiser Protest

Es ist so wahr! Und gleichzeitig so erschreckend zu sehen, wohin unsere Welt (und wir mit ihr) läuft. Überall Menschen, die nur das eine machen: ins Handy schauen.

people using smartphones while sitting inside train
Photo by John Lockwood / Unsplash

Wenn ich im Zug sitze und mich entscheide, nicht das Handy in die Hand zu nehmen – aus Protest –, dann bin ich die Einzige. Dann fühlt man sich schon fast wie ein Außerirdischer. Als jemand, den niemand kennt. Der nichts zu tun hat. Der seine Zeit nicht nutzt.

Wenn ich einfach nur da sitze und rausschaue. Wenn ich einfach nur meinen eigenen Gedanken nachhänge. Wenn ich Menschen beobachte, vielleicht sogar mal jemandem zulächle in einer kurzen „Ich schau mal kurz weg von meinem Handy“-Pause.


Lasst uns wieder anfangen

Ich möchte es laut in diese Welt rufen: LASST UNS AUFHÖREN DAMIT!

Lasst uns aufhören, unsere Zeit zu verschwenden, indem wir endlos auf Instagram oder Pinterest oder sonst wo scrollen.
Lasst uns aufhören, unser ganzes Leben öffentlich zu stellen.
Lasst uns aufhören, immer sofort unser Handy in die Hand zu nehmen, sobald es möglich ist.
Lasst uns aufhören, im Leben anderer festzuhängen und entweder Stolz oder Frust Raum in uns gewinnen zu lassen.
Lasst uns aufhören zu denken, dass unser Leben mehr Wert bekommt dadurch, wie viele Likes wir bekommen.

Lasst uns wieder anfangen, die Welt mit unseren Augen zu sehen – nicht durch eine Linse.
Lasst uns wieder anfangen, das Leben zu schmecken – nicht für andere, sondern für uns.
Lasst uns wieder anfangen, hier und jetzt zu leben – nicht in der digitalen Sumpflandschaft, die uns träge und müde macht.
Lasst uns wieder anfangen, unseren Nächsten zu sehen, dem wir ihnen "in echt“ begegnen.
Lasst uns wieder anfangen, unser kleines Leben zu sehen und wertzuschätzen – das, was wir haben, das, was wir erleben – und nicht neidisch auf das zu schielen, was nicht unser ist.
Lasst uns wieder anfangen, nicht alles zu posten und zu teilen – sondern unser Leben mit denen zu teilen, die tatsächlich um uns herum leben.

Lasst uns anfangen, wieder weniger zu wissen. Einfacher zu leben.
Lasst uns wieder anfangen, unsere Bibel nicht nur in Posts zu lesen, sondern sie wirklich in die Hand zu nehmen.
Lasst uns anfangen, unsere eigenen Schätze zu bergen und nicht mit schon gefundenen Schätzen zufrieden zu sein.
Lasst uns wieder anfangen, Gott mit unseren eigenen Augen zu sehen – nicht mit den Augen von Influencern, die wir so gerne mögen.


Entlarve die Lüge

Lasst uns wieder anfangen zu entlarven, was unserem Leben das wirkliche Leben raubt. Was unserem Tag die wirkliche Zeit raubt. Was unserer Seele den wirklichen Frieden entzieht.

Wir wurden nicht geschaffen, alles zu wissen. Wir wurden nicht geschaffen, nur auf Bildschirme zu schauen und uns berieseln zu lassen. Was für ein Rückschritt ist das! Was für eine Gefahr für unser menschliches Gehirn – und was für eine Falle für unser Herz, das schreit und nicht gehört wird.

Ich möchte es laut in diese Welt rufen:
Entlarve die Lüge in deiner Hand!
Den Räuber. Den Unruhestifter. Den Friedenszerstörer. Den Zeitdieb. Den Unzufriedenheits-Vermehrer.

Durch das ganze Alte Testament hindurch sehen wir Menschen, die herausgefordert sind zu erkennen, was in ihrem Leben den Platz von Gott eingenommen hat. Götzen nennt die Bibel das. Dinge, von Hand gemacht, die die Anbetung des menschlichen Herzens dem wegnehmen, dem sie gebührt.

Ich will den Kampf gegen den Götzen in meinem Leben angehen. Wie sieht es bei dir aus? Stehst du auf und nimmst dein Herz in die Hand und bist mutig? Vielleicht so mutig wie Glenna – löschen und wegbleiben?


Das bessere Brot

„Aber da ist auch so viel Gutes“, magst du jetzt sagen. So viel guter Input. So viel hilfreiche Inspiration.

Ja, das mag stimmen. Da ist viel Gutes da draußen. Und ich möchte hier in keinem Fall all diejenigen verurteilen, die ihre Plattform gefunden haben, um Gott bekannt und groß zu machen (das tue ich ja auch – bewusst in Form eines Blogs).

Aber:
Ich möchte dich herausfordern, nicht hier und da Krümel aufzusammeln. Ein kleiner Happen hier, ein kleiner Happen dort.

Nimm das sättigende Brot in die Hand.
Fang wieder an, gute Bücher zu lesen – allen voran die Bibel.
Fang wieder an, dir eine eigene Meinung zu bilden und deinem Gott selbst zu begegnen.


Eine Frage an dich

Was ist bei dir nötig? Was solltest du aufhören, um das viel Bessere zu ergreifen?

Was solltest du tun, um dieses – dein einziges, kostbares Leben – so zu leben, dass es wirklich gelebt ist?

Bist du bereit, das echte Leben wieder neu zu entdecken?


Tipp: Hier noch drei Artikel, die ich sehr empfehlen kann:

Battle for the Soul
Encouragement to Persevere when the ‘Norm’ Threatens Spiritual Formation
11 tools for unrotting your mind
How to reverse brain-rot (first) then consume and create (properly)
Letting Go of the Lie in My Right Hand • glenna marshall
I wrote this because I know social media isn’t good for me , but maybe you’re in a similar spot and wonder if getting out is possible.
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