Also, ich weiß nicht, ob es dir auch manchmal so geht: Du sitzt im Gottesdienst und hörst der Predigt zu – und plötzlich wird da etwas gesagt, dem du innerlich widersprichst.
Ich konnte nicht nur innerlich widersprechen, sondern musste sogar meine Nachbarin anstubsen und sie fragen:
„Was hat der denn für ein Altes Testament gelesen? Anscheinend nicht das, was ich gelesen habe.“
Worum ging es?
Der Prediger sagte, dass er froh sei, dass es in der Bibel nicht nur das Alte Testament gibt (wo ich noch völlig mit ihm übereinstimme). Dort nämlich sei Gott Richter und hart und erst im Neuen Testament offenbare er sich dann anders.
In mir sträubte sich alles. Leider ist das ein Klischee, das sich hartnäckig in vielen Köpfen hält.
Ist Gott wirklich anders?
Verändert er sich?
Kann man diese beiden Testamente überhaupt zusammenbringen?
Die Antwort liegt doch auf der Hand: Gott verändert sich nicht!
Sein Wesen war im Alten Testament Liebe und ist es im Neuen Testament ebenso.
Er war und ist vollkommen gerecht, barmherzig, voller Güte und Treue.
Das Vaterherz Gottes
Ich bin gerade mit den Geschichtsbüchern der Bibel fertig geworden und ich bin so dankbar, diese Geschichten jedes Jahr neu lesen zu dürfen.
Als ich am Ende von 2. Chronik angekommen war, hat es mich nochmal richtig vom Hocker gehauen:
Die Könige und das Volk Israel lebten immer wieder in Rebellion und Ablehnung gegenüber Gott. Ganz bewusst reizten sie ihn zum Zorn, entheiligten den Tempel, stellten Götzen auf und taten Dinge, die Gott hasst.
Und doch: In seiner Gnade und Barmherzigkeit wendet sich Gott ihnen immer wieder zu. Er gibt ihnen neue Chancen. Selbst den gottlosen König Manasse erhört er in seiner Not und erbarmt sich über ihn.
Schließlich kommt das Volk an einen Endpunkt. Gott beschließt ihre Wegführung und die Zerstörung Jerusalems.
Und dann steht da dieser Vers:
„Und der HERR, der Gott ihrer Väter, sandte zu ihnen durch seine Boten, früh sich aufmachend und sendend; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung. Aber sie verhöhnten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verspotteten seine Propheten, bis der Zorn des HERRN gegen sein Volk so stieg, dass es keine Heilung mehr gab.“
(2. Chronik 36,15–16)
Wenn ich diesen Vers lese, sehe ich das Herz Gottes.
Ich sehe seine Barmherzigkeit. Sein Vaterherz.
Er lässt seine Kinder nicht einfach gehen nach dem Motto: „Das geschieht euch jetzt recht!“
Nein – immer und immer wieder zeigt er sein liebendes, weiches Herz. Er ist voller Mitleid.
Er kann sie nicht einfach loslassen.
Wie ein Vater.
Immer wieder sendet er seine Boten – die Propheten – um das Volk zur Umkehr zu rufen. Doch sie wollen nicht hören. Sie verhöhnen, verachten und verspotten.
Und dann steht da dieser Nebensatz, der mir Tränen in die Augen treibt:
„… bis es keine Heilung mehr gab.“
Dann handelt Gott:
Er ruft seinen Knecht Nebukadnezar – den mächtigsten Herrscher der damaligen Zeit – um Gericht zu bringen.
Gott lässt sich nicht spotten.
Er ist voller Barmherzigkeit, aber er weiß auch: Manchmal braucht es diesen tiefen Einschnitt, damit Umkehr möglich wird.
So geht das Volk in die Gefangenschaft, aber auch diese ist begrenzt: 70 Jahre, genau so lange, wie Gott es bestimmt hat.
Ich kann nicht anders, als über diesen Gott zu staunen.
Einen Gott, der mächtig und souverän ist und gleichzeitig voller Güte und Langmut.
Denn eines ist sicher:
Gott muss auch mit mir unglaublich viel Geduld und Barmherzigkeit haben.
Und es ist so tröstlich zu wissen:
Er geht mir nach.
Er macht sich früh auf.
Er sendet sein Wort auch in mein Leben.
Er ruft mich.
Er lässt mich nicht dort, wo ich bin.
Sondern zieht mich – voller Mitleid und Liebe – immer wieder zu sich.
Und wie gut:
Durch Jesus Christus und sein vollkommenes Opfer am Kreuz gibt es immer Heilung. Er hat den Weg geöffnet. Er hat den Preis für unseren Ungehorsam bezahlt. Er hat Frieden gemacht. Er hat seinen Geist in uns gegeben. Er hat gelitten, auf dass wir geheilt werden.
Du und ich.
Eine Einladung an dich
Vielleicht fühlst du dich gerade weit weg von Gott.
Vielleicht hast du dich Schritt für Schritt, Entscheidung für Entscheidung von ihm entfernt, ohne es richtig zu merken.
Vielleicht haben sich andere „Götter“ in dein Leben geschlichen:
dein perfektes Zuhause, dein Garten, deine Hobbys, deine Instagram-Storys, deine Lieblingsserie oder deine Unfähigkeit, Nein zu sagen.
An sich ist das alles nicht per se falsch.
Aber es hat die Kraft, dich langsam wegzuziehen von dem, was wirklich zählt: deine Beziehung zu Gott.
Ich möchte dir Mut machen:
Verzweifle nicht an dir selbst.
Glaube nicht die Lüge, dass du das Leben mit Gott „nicht hinbekommst“.
Dass du einfach kein „All-in“-Christ bist.
Nein.
Gott will dich ganz.
Und er wird nicht müde, dich zu rufen –
früh sich aufmachend.
Er sendet sein Wort in dein Leben.
Er zieht dich.
Spürst du es?
Er ist barmherzig und gnädig.
Er ist treu.
Bei ihm ist Heilung, Umkehr und Neuanfang.
Mach dich heute neu auf – zu ihm.
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